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Deutschlands erste Jerseyadresse

Zu Besuch bei hohen Lebensleistungen und Top-Inhaltsstoffen

Christopher Kiehne bewirtschaftet seinen Milchviehbetrieb in vierter Generation im schleswig-holsteinischen Birkenmoor. Gemolken werden zu 100 % Kühe der Rasse Jersey – und das schon seit den 50er Jahren. „Mein Urgroßvater hatte die ersten zehn Färsen aus Dänemark importiert, nachdem der bisherige Bestand nach einem TB-Einbruch gekeult worden war.“

Sicherlich erregte dieser Schritt großes Aufsehen in der Nachbarschaft. Die Familie Kiehne hat den Schritt des Urahns aber nie bereut. Sämtliche Tiere im Bestand lassen sich direkt auf diese  dänischen Färsen zurückverfolgen.

Christopher Kiehne Jersey-Kühe

„Ruhig und neugierig im neuen Stall“

Kiehne melkt derzeit 70 VikingJersey Kühe. Die Tiere leben seit 2022 in einem völlig neu konzipierten Laufstall. Auffällig sind der große Liegebereich auf Stroh, die planbefestigten Laufflächen, der Melkroboter und „ganz viel Licht und frische Luft“. Die Jerseys präsentieren sich dort als äußerst menschenbezogen.

Die liegenden Kühe lassen sich vom Besuch nicht aus der Ruhe bringen. Nach und nach scharen sich weitere Kühe um ihren Besitzer und hoffen auf Streicheleinheiten. „Ich mag den Umgang mit diesen Tieren“, so Kiehne, „sie haben einen besonderen Charakter und sind sehr neugierig – das gefällt mir“.

Christopher Kiehne Jersey-Kühe

Hohe Leistungen, langlebige Tiere!

Doch es sind auch die wirtschaftlichen Qualitäten, die Kiehne gefallen. Und hier muss sich Kiehne wahrlich nicht verstecken. Die Kühe verbleiben mit durchschnittlich sieben Laktationen erstaunlich lange auf seinem Betrieb und bringen es dabei auf eine Abgangslebensleistung von über 86.000 kg Milch. Die Remontierungsrate lag im letzten Kontrolljahr unterhalb von 3 %.

In der Herde befinden sich zahlreiche Toptiere mit eindrucksvollen Leistungen. So war Kuh „Krone“ vor einigen Jahren Deutschlands höchstleistende Jersey-Kuh. In ihrer 8. Laktation brachte sie es auf eine Milchleistung von knapp 9.000 kg bei 7,48 % Fett und 4,4 % Eiweiß, was einer Fett-/Eiweiß-Menge von 1.062 kg entspricht. Mittlerweile befindet sie sich in ihrer 13. Laktation und hat die Marke von 101.000 kg übersprungen. Damit befindet sich die Kuh gemeinsam mit sechs weiteren Herdengenossinnen im V.I.P.-Club der Kühe mit einer Fett-/Eiweiß-Menge oberhalb der Schallgrenze von 10.000 kg. Vier seiner Kühe bekleiden in der bundesdeutschen Statistik beim Merkmal „Lebensleistung nach Fett und Eiweiß“ die Plätze 1-4.

Christopher Kiehne Jersey

Wenig Aufwand

Dabei ist die Haltung der Jerseys weitgehend problemlos. Die meisten Kühe kalben unauffällig und alleine, „da muss man aufpassen, dass keine Geburt übersehen wird“, so der Züchter mit einem Augenzwinkern. Thema Klauengesundheit: „Von unseren Kühen haben allenfalls zehn Tiere überhaupt schon mal einen Klauenpflegestand von innen gesehen.“ Auf diese Weise wird das Arbeitszeitkonto geschont, zudem wird das Privatleben planbarer.

Der junge Familienvater legt Wert auf sein Leben mit der Familie, derzeit wartet man im Hause Kiehne auf die Geburt eines zweiten Kindes. „Für meine Frau und mich war immer klar, dass wir mit unserer Milchviehhaltung keine Millionen verdienen werden“, blickt Kiehne zurück, „aber Zeit für die Familie ist uns wichtig.“

Christopher Kiehne Jersey-Kühe

Bullenkälber aufwerten

Durch den Einsatz von gesextem Sperma reduziert Kiehne den Anteil reinrassiger Bullenkälber deutlich. Diese Tiere werden oftmals kastriert und dann auf der Weide allmählich zur Schlachtreife geführt – ein Geschäft mit viel Potenzial für die Direktvermarktung.

Zudem bietet der Einsatz von Fleischrinderbullen – zum Einsatz kommen oft Bullen der Rasse Angus oder der Danish Blue (Weißblaue Belgier) – die Möglichkeit zur Aufwertung der männlichen Nachzucht.

Christopher Kiehne Jersey

Mehr Kuh pro GV

Derzeit freut sich Christopher Kiehne über die massive Nachfrage nach weiblichen Tieren: „Ich könnte meinen gesamten Bestand binnen zwei Wochen zu Spitzenpreisen verkaufen“, beschreibt der Züchter die Marktlage.

Manchmal werde nur wegen ein oder zwei Tieren „zum Probieren“ nachgefragt, teilweise auch wegen größerer Stückzahlen. Interessant sind die kleinrahmigen Jerseykühe übrigens auch für Milchviehhalter, deren Altgebäude zu klein für die großrahmigen Holsteins geworden sind. Dies kommt auch dem Tierwohl zu Gute.

Vorteile ergeben sich übrigens auch in punkto Gülleschlüssel. Während eine Holsteinkuh mit einer ganzen Großvieheinheit (GV) zu Buche schlägt, belastet eine Jerseykuh das GV-Konto mit lediglich 0,85. Dieser Umstand stellt sich in der aktuellen Umweltdiskussion als echter Pluspunkt dar.

 

Text und Bilder von Dr. Uwe Scheper

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Christopher Kiehne Jersey

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